Expressive und abstrakte Malerei

Anne Freudenberger und Enkelin Paula in der Galerie Camino

02.01 – 02.02.2020 Galerie Camino,  Wilnsdorf-Flammersbach,

pebe Flammersbach. Tief, abgründig, schnell – die Straßenschluchten von „New York“ lassen den Blick nicht so leicht los. Weiß gefärbte Gazestreifen, angedeutete Hochhaus-Reihen, ein Turm mit rätselhaften Bildbotschaften aus Zeitschriften geben zu denken. Doch keine zwei Meter weiter liegt Snoopy relaxed auf dem Dach seiner Hütte – fröhlich und einfach die Botschaft des großflächigen Bildes. Wo sich die dunkle Ikone New York und die leichte Bilderwelt des cleveren Beagles begegnen, da gibt es zugleich ein „Treffen der Generationen“: In der Flammersbacher Galerie Camino laden Anne Freudenberger und ihre Enkelin Paula Freudenberger (14) zu einer gemeinsamen Ausstellung ein: „Expressive und abstrakte Malerei“ ist ab dem 2. Januar (Eröffnung um 18 Uhr) dort zu sehen.

 

Galerie Camino mit fünfter Ausstellung

„Ich experimentiere gern“, sagt Anne Freudenberger über ihre Arbeit und ihre vielfältigen künstlerischen Ausdrucksweisen. Da verwundert es nicht, dass sie die Frage Paulas nach einer möglichen gemeinsamen Ausstellung kreativ aufnahm und umsetzte. Herausgekommen ist etwas ganz Eigenes. Gemeinsam ist den Arbeiten die Suche: nach Ausdruck, nach dem richtigen Bildinhalt, nach immer neuen Themen des Erlebens. Damit, so Galerist Wilhelm Berner, passe diese Begegnung gut in das Konzept der Flammersbacher Galerie, für die das „Generationentreffen“ die fünfte Ausstellung ist.

Ein knappes Dutzend Arbeiten steuert die Waldorfschülerin bei: den großformatigen Snoopy, Experimente mit Schriften („Hand lettering“), karikaturähnliche, aber Emotionen ausprobierende Gesichter, ein Herantasten an den Gegensatz von abstrakt und gegenständlich, feine Zeichnungen, sogar ein Gedicht ist dabei. Aber auch an die Farbigkeit wagt sich die 14-Jährige heran, nutzt Graffiti-Spray und Acrylfarben und geht auf einen eigenen Ausdruck zu, der sich schon ein wenig in ihren beiden Sternzeichen-Bildern zeigt. Die meisten Techniken bringe sie sich selbst bei, erklärt sie, aber natürlich schaue sie auch ihrer Großmutter über die Schulter.

Anne Freudenberger setzt Ausrufezeichen

„Ich habe ihre künstlerische Ader früh entdeckt“, so Anne Freudenberger, die lange im Schuldienst tätig war, stolz. Sie selbst zeigt meist abstrakte Arbeiten der letzten Jahre. Mischtechnik-Bilder sind dabei, deren Materialität ebenso fasziniert wie verblüfft, kraftvolle Pinselführungen zeugen von einem konzentrierten Gestaltungswillen und lassen Vexierbilder von Räumen und Welten entstehen. Vielschichtige Kratzbilder erzeugen den Eindruck von Tiefe und Leuchten und speichern zugleich die beim Malen geleistete körperliche und geistige Arbeit. Lange könne ein solcher Arbeitsprozess dauern, immer wieder gehe es ums Herausarbeiten des Eigentlichen: „Man muss auf die Dynamiken reagieren, die sich zeigen“, überlegt sie – eine Art chemischer Prozess des Sehens und Denkens wird erfahrbar.

Deshalb arbeite sie, sagt die Siegenerin im SZ-Gespräch, auch gern mit einer Rost-Technik, bei der verschiedene Komponenten chemisch interagieren, oxidieren und korrodieren. Auf diesem Grund setzt Anne Freudenberger Akzente. Spuren, manchmal fast „Ausrufezeichen“ mit Blattgold und Goldstaub. „Ich liebe Gold“, bekennt sie, es habe eine warme Farbe. Und die findet sich auf vielen Arbeiten, z. B. in der „Komposition mit Baumrinde“, einer komplexen Doppelarbeit, für die sie Rindenstücke gepresst und per Bügeleisen geglättet hat. Mit und unter diesen Collage-Elementen entwickeln sich strenge, reduziert farbige und sehr grafische Elemente – ein konzentriertes Changieren zwischen Fläche und Raum entsteht. Das verarbeitete Gold betont dabei auf fast feierliche Weise, dass und wie die verarbeiteten Fundstücke aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgehoben werden: Viele Assoziationen bereichern die „Chemie des Sehens“.

"Texte" der Oma, Schriftbilder der Enkelin

Grafisch betont sind auch ältere Arbeiten, z. B. die abstrahierende „Toskanische Landschaft“ in Lila- und Grüntönen, eher Bühnenbild als reale Landschaft, aber gerade darin aufs Wesentliche konzentriert.

Zum Experiment gehört der Gegensatz als Spannungsmoment: Den zeigt Anne Freudenberger mit expressiven Arbeiten wie der „Explosion“, die wie die Aufnahme eines kosmischen Ereignisses wirkt. Während hier die Energie berstend und doch strukturiert sichtbar wird, konzentriert sie sich gleich daneben in einer kleinen Arbeit mit Metallstücken. Auch die „Texturen“ der Bilder, die teils wie Schriften aus einer fremden Welt wirken, wollen gelesen und dechiffriert werden, „Mädchen“ beispielsweise, eine prägnante Arbeit, die einen fast hypnotischen Raum entstehen lässt.Diese „Texte“ korrespondieren wieder mit den Schriftbildern ihrer Enkelin – so entsteht ein Dialograum zwischen „entdeckender“ Jugend und „verarbeitendem“ Alter, der für beide Seiten und für die Betrachtenden bereichernd wirkt.

 

Anne Freudenberger und Enkelin Paula:

„Expressive und abstrakte Malerei“.

Galerie Camino,

Flammersbach, Kaan-Marienborner Str. 17,

2. Januar bis 2. Februar,jeden Sonntag von 14 bis 16.30 Uhr.

 

Quelle: Bericht Siegener Zeitung, 31. Dez. 2019, Peter Barden

Reinhold Koehler, Siegen, Objets decollages_3
Anne Freudenberger und Paula in der Galerie Camino. Bild: Siegener Zeitung, Peter Barden
Anne Freudenberger, Galerie Camino 1.2020
Anne Freudenberger, Galerie Camino 1.2020
Anne Freudenberger, Galerie Camino Jan. 2020